Nachhaltige betriebliche Integration beginnt bei WESO direkt nach der Vertragsunterzeichnung

06. Juli 2022 Gladenbach. Wolfgang Hoffmann, Ausbildungsleiter der Eisengießerei WESO-Aurorahütte GmbH, lernte Sadeq Teymouri als Schlülerpraktikant kennen. Heute hat Sadeq bereits das erste Jahr seiner Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer hinter sich.

„Fachkräftemangel ist seit vielen Jahren auch bei WESO ein Thema. Die Zahl der Bewerbenden habe stark abgenommen“, so der Ausbildungsleiter. Dazu komme, dass es immer wieder junge Bewerber:innen gibt, die sich nach Vertragsunterzeichnung doch umentscheiden und die Ausbildung nicht antreten. Grund genug, diejenigen zu halten, die sich für die Ausbildung bei WESO entschieden haben.

Und zwar durch eine Reihe von Onboarding-Maßnahmen: „Bald nach Vertragsunterzeichnung gibt es einen Termin zur Anprobe der Arbeitskleidung. Das soll von Beginn an ein Zugehörigkeitsgefühl vermitteln. Außerdem veranstalten wir einen Kennenlernnachmittag, damit die neuen und deren Eltern ein Gefühl dafür bekommen, was sie erwarten können, das schafft Sicherheit“ erklärt Hoffmann. Für einen guten Start in die Ausbildung werden Tandem-Teams zusammengestellt, damit die Neuen immer eine:n Ansprechpartner:in haben. „Es kommt vor, dass die jungen Azubis sagen, sie haben verstanden, was aber dann nicht stimmt. Das ist der falsche Weg. Wir legen deswegen großen Wert darauf, Vertrauen aufzubauen, damit die Azubis keine Angst haben und sich trauen, ehrlich zu sein, Fragen zu stellen und auch mal Fehler einzugestehen.“

Sadeq lebt bei einer Pflegefamilie in Gladenbach. Er flüchtete als unbegleiteter Minderjähriger aus Afghanistan nach Deutschland. In der Familie hat er von Anfang an deutsch gesprochen. Die Pflegeeltern unterstützten ihn bei Schule und Bewerbung. „Ich habe Fußball im Verein gespielt und andere Azubis von WESO kennengelernt,“ erzählt er. Die Aktionen von WESO im Vorfeld der Ausbildung und besonders der Kennenlernnachmittag, wo er die Bekannten aus dem Fußball wiedertraf, haben ihm geholfen, sich gut zu fühlen und sich auf das Neue einzulassen. Die praktische Arbeit fällt ihm leicht. Jetzt steht die Zwischenprüfung an. „Die Berufsschule ist schwer aber, wenn ich Fragen habe, weiß ich wo ich Hilfe bekomme“, sagt Sadeq.

„Uns ist nicht wichtig, woher jemand kommt. Wir wollen jungen Menschen eine Ausbildung und eine Perspektive bieten. Besonders bei Menschen mit Fluchthintergrund wollen wir einen Beitrag leisten“, so Hoffmann. Der Ausbilder engagiert sich auch nebenberuflich als Dozent bei einem Bildungsträger.

„Onboarding ist ein zentrales Thema für Unternehmen geworden, die auf eine nachhaltige Integration in den Betrieb setzen“, sagt auch Tina Martinson, Koordinatorin von BLEIB in Hessen II. „Wir unterstützen Unternehmen, die sich aufmachen, Neues in der Personalsuche und im Einstellungsprozess auszuprobieren, um so Menschen mit Fluchthintergrund eine langfristige Perspektive zu geben.“ Flucht & Onboarding wird bei BLEIB in Hessen II als Workshop für Unternehmen angeboten. Der nächste Workshop startet im Herbst 2022.

Nachhaltige betriebliche Integration beginnt bei WESO direkt nach der Vertragsunterzeichnung

Endlich in Ausbildung! Das denken sich viele geflüchtete Auszubildende, wenn dieser neue Abschnitt beginnt. In der Ausbildung angekommen, werden viele neue Anforderungen gestellt, die bewältigt werden müssen: der Arbeitsalltag im Betrieb, neue Fächer in der Berufsschule, Erwartungen von Kolleg:innen und Vorgesetzten. Dabei kann es hilfreich sein, sich mit anderen Azubis auszutauschen. Beim Azubi GetTogether können sie über Wünsche, Sorgen und offene Fragen sprechen, sich gegenseitig helfen, Mut machen oder einfach nur Spaß am Miteinander haben.

Ahmed Rajha hat seine Ausbildung als Elektroniker, Energie- und Gebäudetechniker bereits erfolgreich abgeschlossen. Er war vor einiger Zeit selbst in der Arbeitsmarktberatung von BLEIB in Hessen II in Kassel. Jetzt macht er seinen Meister. Beim Azubi GetTogether ist er leitend dabei, gibt Tipps und erzählt von seinen eigenen Erfahrungen. „Bei unserem ersten Austausch ging es um‘s Arbeitsklima, um Prüfungsvorbereitungen und auch darum, welche Rechte man am Arbeitsplatz hat. Alle konnten eigene Erfahrungen einbringen“ erzählt Ahmed Rajha.

Das Online-Azubi GetTogether wird zusammen mit Arbeit und Leben Hessen organisiert und durchgeführt. Anmeldung bei Bildungsreferentin Nora Schrimpf, Arbeit und Leben Hessen: 0170 7741856 oder
schrimpf@al-hessen.de

Die nächsten Termine finden immer Freitags, 17 bis 19 Uhr, über Zoom statt:
25. März 2022
29. April 2022
27. Mai 2022
24. Juni 2022

Info-Postkarte hier

Azubi GetTogether: Ausbildungsalltag im online-Austausch

Mittwoch, 30. März 2022 von 14:00 bis 16:30 Uhr

Erfolgreiches Onboarding kann besonders bei neu gewonnenen Auszubildenden mit Fluchtgeschichte über Erfolg und Misserfolg in der Ausbildung entscheiden. Um ein vertrauensvolles Arbeitsverhältnis von Anfang an zu schaffen, beginnt ein gutes Onboarding bereits nach der Vertragsunterschrift und stellt sicher, dass Ihre neuen Mitarbeitenden gut informiert und motiviert im Betrieb ankommen.

Für unseren zweiten Workshop zu diesem Thema haben wir diesmal ein beispielgebendes Unternehmen gewinnen können: WESO in Gladenbach, eine der führenden Gießereien in Deutschland, unternehmen eine ganze Reihe von Onboarding-Maßnahmen, die für eine nachhaltige Integration in den Betrieb sorgen. Zuvor wird Steffen Rink vom IQ-Netzwerk einen Überblick über die spezifische Situation von Auszubildenden mit Fluchthintergrund geben und darauf zugeschnittene Onboarding-Maßnahmen vorstellen. BLEIB-Koordinatorin Tina Martinson moderiert durch das Programm. Der Workshop setzt auf Austausch, Ihre Fragen und Ihre Impulse, um gemeinsam Ideen zum Ankommen im Betrieb weiterzuentwickeln.

Anmeldung: warnecke@mbv-ev.com
Anmeldeschluss: 25. März 2022
Die Zahl der Teilnehmenden ist begrenzt.
Infoblatt hier

Online-Workshop für Unternehmen: „Erfolgreiches Onboarding von Geflüchteten Auszubildenden“

14.12.2021 Gießen. Najib fühlt sich jetzt richtig wohl. Er hat Freunde, nette Nachbarn und eine gute Arbeit. Er macht viel Sport und spielt regelmäßig Schach. Im Schachverein ist er der Einzige mit Fluchthintergrund, erzählt er. Der 33-Jährige Najib kam 2015 aus Afghanistan nach Deutschland. Im August hat er seine dreijährige Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und ist nun Malergeselle. Sein Ausbildungsbetrieb Maler Pitz in Polheim hat ihn übernommen.

„Früher war ich oft einsam. Ich konnte die Sprache nicht und habe gedacht, dass mich niemand akzeptiert“, erinnert er sich. Damals fand er den Weg zur BLEIB-Beratung bei der Zaug gGmbH. „Noch vor wenigen Monaten war ich auf einen Mietzuschuss des Landkreises angewiesen. Aber jetzt kann ich meinen Lebensunterhalt selbst bestreiten. Ich habe meinen Führerschein gemacht und habe jetzt sogar ein eigenes Auto“, erzählt er stolz. Allerdings ist sein Asylverfahren immer noch nicht abgeschlossen: „Das einzige, was mir fehlt, ist die Aufenthaltserlaubnis, damit ich meine Zukunft besser planen kann“.

Die Weihnachtstage und Silvester wird er mit Freunden in Nordrhein-Westfalen und in Gießen verbringen. Darauf freut er sich schon. Wir freuen uns mit ihm, dass er hier angekommen ist!

Ein gutes Gefühl als Malergeselle

10.12.2021 Marburg. Das übergeordnete Ziel des Flüchtlingsberatungsnetzwerks BLEIB in Hessen II ist die arbeitsmarktliche Integration und Förderung von Geflüchteten.
„Im Mittelpunkt steht hier natürlich die Arbeitsmarktintegration oder genauer gesagt die Unterzeichnung eines Arbeits- bzw. Ausbildungsvertrags oder die Aufnahme in eine weiterführende Schule. In unserer Beratung versuchen wir, wenn möglich, in Beschäftigungsverhältnisse mit guten Arbeitsbedingungen zu vermitteln. Bei prekären Arbeitsstellen beraten wir die Geflüchteten meist weiterhin,“ so Lydia Koblofsky, Koordinatorin des Netzwerks beim Mittelhessischen Bildungsverband e.V. (MBV).

Im Mittelpunkt steht die Arbeitsmarktintegration

„Wir sehen unsere Beratung als Prozess und begleiten die Ratsuchenden Schritt für Schritt auf ihrem Weg in den Arbeitsmarkt, wenn gewünscht auch nach Berufseintritt,“ ergänzt die Kollegin Tina Martinson von Arbeit & Bildung e.V.
Die Ziele des Netzwerkes hat sich der Verein für Bildung und Beratung (VBB) als Mitglied im BLEIB-Netzwerk genauer angeschaut. In einer Zufriedenheitsbefragung wurden zehn qualitative Interviews mit Ratsuchenden, Unternehmensvertreter*innen und Teilnehmenden von BLEIB-Schulungen durchgeführt.

Gelobt wurde Erfahrung der Berater*innen und freundliche Atmosphäre

Die befragten Ratsuchenden sehen ihre Erwartungen an die Beratung klar erfüllt. Alle beurteilen die Beratung als erfolgreich. Hierzu gehört die Beratung zur Arbeitsplatz- oder Ausbildungssuche, zu Sprachkursen, dem Erhalt von Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis, zu Hilfen bei Bewerbungen und Lebensläufen sowie Dokumenten und Anträgen. Besonders gelobt wurde die Erfahrung der Berater*innen und die professionelle und freundliche Beratungsatmosphäre. Die befragten Ratsuchenden waren über längere Zeiträume, zum Teil mehrere Jahre in der Beratung und haben sehr viele Gesprächstermine wahrgenommen. Dies verdeutlicht den Ansatz der prozesshaften und langfristigen Begleitung und Beratung von BLEIB in Hessen II.
Ähnlich positiv äußerten sich Personalverantwortliche in Betrieben über das Beratungsangebot des Netzwerkes und über ihre neuen Mitarbeitenden mit Fluchthintergrund. Ansprechbarkeit und Hintergrundunterstützung der BLEIB-Berater*innen empfanden sie als hilfreich. Alle befragten Unternehmen würden weitere Menschen mit Fluchterfahrung einstellen. Und auch Teilnehmende von Workshops vergeben gute bis sehr gute Noten.

Beratung zur Aufenthaltssicherung, Arbeitsrechten und sozialer Integration wichtig

Die Befragung zeigt aber auch Verbesserungspotential auf: So ist nur bei der Hälfte der Ratsuchenden der Aufenthalt in Deutschland gesichert, vier von sechs hatten zum Zeitpunkt der Befragung noch keine unbefristete Aufenthaltserlaubnis oder befanden sich noch im Asylverfahren. Das zeigt, dass die Beratung zur Aufenthaltssicherung unbedingt fortgesetzt werden muss. Außerdem kritisierten die Geflüchteten, dass zu viele Zeitarbeits- und damit ungesicherte Arbeitsverhältnisse aufgenommen würden.

Mehr Beratungsbüros in Hessen gewünscht

Auch die Lebensverhältnisse haben sich nicht für jeden verbessert. So wird zum Beispiel von einem Teilnehmenden genannt, dass er nach wie vor kein Internet und keine Privatwohnung habe. BLEIB in Hessen II wird in der Beratung weiterhin Wert auf die Aufklärung über Arbeitsrechte und gute Arbeitsbedingungen legen.
Die Nachfrage nach Beratung ist nach wie vor hoch. So wünschen sich einige Befragte mehr Beratungsbüros in weiteren Regionen Hessens. Bisher berät das BLEIB-Netzwerk in sieben hessischen Landkreisen und Städten. Zusätzlich beraten die Netzwerkpartner IdEE im Landkreis Hersfeld-Rotenburg und IvAF_FFM in Frankfurt. Betriebe würden gerne mehr Förderung bei der Einstellung von Geflüchteten bekommen und nennen auch eine betrieblich finanzierte Sozialarbeit als mögliche Unterstützung.

Befragung bestätigt: Flüchtlingsberatung ist erfolgreich

11. November 2021. Seit September lädt BLEIB-Beraterin Neriman Ün-Fahsi wöchentlich Frauen mit geringen Deutschkenntnissen zum gemeinsamen Malen ein. Aber was hat Malen mit beruflicher Integration zu tun?
„Zu uns in die Beratung kommen Menschen – zu einem großen Teil Männer – deren Deutschkenntnisse meistens schon etwas fortgeschritten sind. Frauen mit geringem Sprachniveau, A1 oder A2, sind nur sehr schwer für eine Beratung zu erreichen. Sie sind noch sehr verstrickt in Haushalt und Familie und haben noch nicht gelernt, Zeit für sich selbst zu beanspruchen“, so die Beraterin. Um mit diesen zurückgezogenen Frauen dennoch ins Gespräch zu kommen, hatte sie die Idee eines Malkurses. „Der Kurs wird von unserer ehemaligen Ratsuchenden Frau Wadi aus dem Irak angeleitet. Sie ist selbst gerade in einer Erzieherinnen-Ausbildung.“ Beim digitalen Frauencafés im Frühjahr hatte sie bereits von ihrer Ausbildung berichtet und nebenbei selbstgemalte Bilder gezeigt. „Die Frauen waren begeistert und wollten auch gern so malen können“, berichtet Ün-Fahsi. Und so war die Idee entstanden.

Einmal die Woche treffen sich die Frauen, vormittags von 9:30 bis 11:30 Uhr, um gemeinsam zu malen. Dabei tauschen sich die Frauen aus und bekommen ganz beiläufig kleine Einblicke über den Arbeitsmarkt und Informationen, wie sie sich weiterentwickeln können. „Die Frauen lernen erst einmal für sich selbst Freiraum zu schaffen und sich neue Ziele zu setzen“ erklärt Ün-Fahsi. „Das sind wesentliche Voraussetzung für eine mögliche berufliche Tätigkeit“. Die Aktion läuft noch bis Dezember. Im nächsten Jahr voraussichtlich im Februar soll es einen neuen Kurs geben.

Kassel: Malen ist eine von vielen Formen des Empowerments

Mittwoch, 10. Nov. 2021 von 14:00 bis 16:30 Uhr

Erfolgreiches Onboarding beginnt bereits nach der Vertragsunterschrift und stellt sicher, dass Sie Ihre neu gewonnenen Auszubildenden mit Fluchtgeschichte gut informiert und motiviert „an Bord holen“. Wir zeigen Ihnen in unserem Workshop, welche Maßnahmen und Aktivitäten Sie für eine erfolgreiche Einarbeitung ergreifen können. Was ist zu tun, wenn noch vor oder auch im Laufe der Ausbildung Schwierigkeiten und Probleme auftreten? Wir stellen Ihnen verschiedene Unterstützungsangebote vor, damit die Ausbildung für Sie und Ihre Azubis reibungslos und sicher verläuft und Abbrüche vermieden werden können.

Themen und Ziele:

  • Was ist Onboarding, was gehört dazu?
  • Einblick in die Situation von geflüchteten Azubis
  • Vorstellung von Unterstützungsangeboten
  • Fragen und Austausch

Anmeldung: warnecke@mbv-ev.com
Anmeldeschluss: 08. Nov. 2021
Der Online-Workshop ist kostenfrei, die Zahl der Teilnehmenden begrenzt.
Infoblatt hier

 

Am Besten im Doppelpack:
Möchten Sie mehr erfahren über erfolgreichen Umgang mit innerbetrieblicher Vielfalt bzw. Diversity? Dann können wir Ihnen zusätzlich den Online-Workshop des IQ Netzwerks (Integration durch Qualifizierung) empfehlen:

Zukunftsfaktor D – Diversity im Arbeitsalltag von KMU
Do. 04. Nov. 2021
14:00 bis 16:30 Uhr
Infoblatt hier

Neuer Online-Workshop für Unternehmen: „Erfolgreiches Onboarding und Begleiten von Geflüchteten Auszubildenden“

29. September 2021. Gerade für alleinstehende Mütter mit Fluchthintergrund ist der Weg in den Beruf besonders schwierig. Durch die enge Zusammenarbeit mit Partnern und Projekten wie LindA erreichen Frauen die Eignung für einen Beruf in der Pflege.

„Ich bin mit meiner Großmutter aufgewachsen und wusste schon immer, dass ich gern älteren Menschen helfen wollte“, erzählt die 32-jährige Rahel. Sie ist 2015 aus Äthiopien nach Deutschland gekommen. Erst drei Jahre später bekam sie endlich ihre Aufenthaltserlaubnis und durfte einen Integrationskurs besuchen. Bis dahin hatte sie sieben Monate als ungelernte Helferin im Altersheim gearbeitet.

Bei Arbeit und Bildung e.V. lernte sie die Beraterin Adriana Beleva vom Flüchtlingsberatungsnetzwerk BLEIB in Hessen II kennen. „Rahel war von Anfang an sehr zielstrebig. Ich war von ihrem Fleiß und ihrem Willen, hier in der Schwalm voranzukommen, sehr beeindruckt“, erzählt die Beraterin. „Ich habe ihr bei Telefonaten mit Ämtern geholfen, bei behördlichen Schreiben und wir haben besprochen, welche Möglichkeiten sie hat, um eine berufliche Laufbahn in der Pflege zu schaffen.“

Die BLEIB-Beraterin vermittelte Rahel in das Projekt LindA (Lernen in der Ausbildung), das im Rahmen von „Sozialwirtschaft integriert“ vom Hessischen Ministerium für Soziales und Integration (HMSI) gefördert wird. In eineinhalb Jahren konnte Rahel dort ihr Deutsch verbessern, lernte Tätigkeiten, die sie in Pflegeberufen braucht, absolvierte Praktika und – was für Berufe in der Pflege Voraussetzung ist – konnte den Hauptschulabschluss nachholen.

Während dieser Zeit kam sie immer wieder in die BLEIB-Beratung, um Unterstützung bei der Praktikumsbewerbung zu bekommen oder auch später für die anschließende Ausbildung. Ihren Hauptschulabschluss schaffte die junge Frau ausschließlich mit den Noten 1 und 2, worauf sie und ihre Beraterin mächtig stolz sind.

Rahel startete Ende September in die einjährige Ausbildung zur Altenpflegehelferin in einem Altenheim in Treysa. Mit ihren Noten hätte sie auch in einem anderen Altenheim anfangen können, sich aber für Treysa entschieden. Wo sie sich in der Zukunft sehe? Sie möchte auf jeden Fall die dreijährige Ausbildung zur Pflegefachkraft anschließen, viel lernen und für die alten Menschen da sein, erzählt sie. Wir wünschen ihr viel Erfolg!

Schwalm: Starke alleinerziehende Frau schafft den Weg in die Pflegeausbildung

20. Mai 2021. Im neu aufgelegten Online-Workshop „Geflüchtete sicher ausbilden – Ausbildungsduldung“ haben sich Mitarbeitende von Unternehmen und Institutionen aus dem Bereich Bau, Einzelhandel, KFZ-Service, Handwerk, Krankenpflege, Soziale Dienste und der Arbeitsagentur Marburg-Biedenkopf ausgetauscht. Durch die Ausbildungsduldung sind Geflüchtete mit unsicherem Aufenthaltsstatus für die Dauer der Ausbildung vor der Abschiebung und bei anschließender Beschäftigung im Ausbildungsberuf (3+2-Regelung) geschützt. Dadurch entsteht auch für Unternehmen Planungssicherheit.

Jana Borusko, BLEIB-Rechtsexpertin beim hfr, erklärte, was zu beachten ist, wenn Betriebe eine/n Geflüchteten einstellen wollen, die/der eine Duldung hat. Gemeinsam mit den Berater/innen von BLEIB in Hessen II Christoph Rettler (Praxis GmbH), Susana Holla (ZAUG gGmbH) und Jana Borusko (hfr) wurden drei Praxisbeispiele genauer beleuchtet:

Malerbetrieb Pitz aus Pohlheim bei Gießen. Das Familienunternehmen stellte Najib aus Afghanistan 2018 als Auszubildenden ein. Er hatte eine sogenannte „Kettenduldung“, das heißt seine Duldung musste immer wieder nach sechs Monaten verlängert werden. „Wichtig war für uns, dass wir kompetente Ansprechpartner/innen an der Seite hatten. Wir bekamen Hilfe bei dem gesamten formalrechtlichen Prozess. Jetzt steht Najib kurz vor seiner Abschlussprüfung und wir drücken ihm die Daumen“, berichtet Andrea Pitz, Geschäftsleiterin.

Der Bio-Laden „Onkel Emma“ in Marburg stellte Ahsan als Auszubildenden ein, dem die Abschiebung drohte. Das Unternehmen wollte ganz bewusst ein Zeichen setzen und diesem jungen Mann aus Afghanistan helfen. Bisher war „Onkel Emma“ kein Ausbildungsbetrieb. Das wurde geändert für Ahsan, weil er nur mit einer Ausbildungsduldung vor der Abschiebung geschützt ist. Jetzt ist er mit seiner Ausbildung fertig und arbeitet als Verkäufer im Unternehmen.

Bei Reifen-Brod, einer KFZ-Werkstatt und Reifen-Service aus Lauterbach in Osthessen, ist eine Ausbildungsduldung für August 2021 geplant. Bereits seit September 2020 möchte der Betrieb Amir aus dem Iran einstellen. Er hatte allerdings ein Arbeitsverbot, da er keinen Pass vorweisen konnte. Um eine Ausbildungsduldung zu erlangen, wurde von BLEIB in Hessen II u.a. eine Petition beim Hessischen Landtag eingereicht. Von Monat zu Monat wurde der Betrieb über den Stand informiert. Schließlich bekam Amir im Februar 2021 seine Duldung und konnte direkt im März in eine Einstiegsqualifizierung (EQ) starten als Vorbereitung für die Ausbildungsduldung ab August. Die Empfehlung von Reifen-Brod ist ganz klar: Betriebe sollten keine Angst haben vor der Einstellung von Geflüchteten. Es gibt Ansprechpartner/innen bei der Handwerkskammer, beim Kreis und natürlich bei BLEIB in Hessen II. „Wir hatten volle Unterstützung seitens der Behörden, alle zogen an einem Strang. Jetzt sind wir froh, dass wir so lange gewartet haben“ meint Frau Wolf, Personalbeauftragte bei Reifen-Brod.

Arbeitgeber*innen informierten sich über die Ausbildungsduldung

Am Donnerstag, 20. Mai 2021  /  14:30 bis 16:30 Uhr

Auch in Zeiten der Pandemie bleibt der Fachkräfteengpass bestehen und könnte sich laut Bundesagentur für Arbeit noch verschärfen. Grund genug als Unternehmen Mitarbeitende zu halten und selbst neue Fachkräfte durch Ausbildung heranzuziehen.

Durch die Ausbildung von Geflüchteten sichern Sie sich nicht nur Ihre Fachkräfte von morgen, sondern schützen Menschen in Duldung vor einer Abschiebung. Durch eine Ausbildungsduldung haben Sie und Ihre Auszubildenden Rechts- und Planungssicherheit.

Worauf müssen Sie als Unternehmen achten?
Was sind die rechtlichen Voraussetzungen für den Erhalt der Ausbildungsduldung?
Und welche Unterstützung gibt es?

In unserem kostenfreien Workshop, den wir gemeinsam mit dem Hessischen Flüchtlingsrat (hfr) durchführen, stellen Unternehmer*innen vor, welche Erfahrungen sie selbst mit Menschen in Duldung gemacht haben und welche Wege sie gegangen sind. Für die Klärung spezifischer Fragen stehen Ihnen unsere BLEIB-Berater*innen zur Seite und bieten Raum für Austausch.

Anmeldung: warnecke@mbv-ev.com
Anmeldeschluss: 11. Mai 2021
Die Zahl der Teilnehmenden ist begrenzt.

Weitere Infos finden Sie hier